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Haudegen passen in keine Schublade

Hagen Stoll und Sven Gillert sind zusammen „Haudegen“. Mit ihren ehrlichen Texten von Freundschaft, Liebe und Loyalität berühren sie Millionen von Herzen in Deutschland. Mit ihrem Independent-Label „Blut Schweiß & Tränen“ schlagen Haudegen nun ein neues Kapitel in ihrer Karriere auf. Major-Label war gestern…

Mittwochabend, zwanzig vor sechs, Berlin-Friedrichshain. Hagen ist schon da. Er sitzt vor einem Café, Ecke Revaler Straße. Seine Harley am Straßenrand hat er immer im Blick. Er trägt ein schwarz-rot kariertes Flanellhemd, eine Latzhose und eine Lederweste mit der Aufschrift „Haudegen“. Er bestellt einen Latte Macchiato. Sven fährt in einem Mietwagen um die Ecke und gesellt sich wenig später dazu, auch er trägt eine Haudegen-Weste, kombiniert mit schwarzer Jogginghose und T-Shirt.

Die zwei sind von oben bis unten tätowiert und muskelbepackt, tragen Vollbart. Auf den ersten Blick sind sie etwas furchteinflößend. Aber einen Handschlag und ein Lächeln später weiß man: Diese beiden Typen sind liebenswert und herzensgut bis zum geht nicht mehr, richtige Kumpeltypen. Zusammen sind sie Haudegen. Seit sechs Jahren machen sie gemeinsam Musik.

Ein Haudegen. Was ist das eigentlich? „Ein aufrechter Mann, der auf den Tisch haut, mit dem du Spaß haben kannst. Einer, der auch in schwierigen Zeiten zu dir steht“, sagen Hagen Stoll und Sven Gillert – und die zwei müssen es wissen: „Haudegen ist die beste Definition einer Freundschaft. Außerdem ist Haudegen eine Philosophie, eine Lebenseinstellung, eine Bewegung. Es geht um Loyalität und alte Tugenden, die unsere Großväter uns vermittelt haben. Unsere Musik, die wir selber als ‚Gossenpoesie‘ bezeichnen, ist der Soundtrack dazu.“

Und nun schreiben Hagen und Sven alias Haudegen ein neues Kapitel: „Das, was wir da machen, können wir am besten alleine. Wir wollen echt sein und echt bleiben“. Haudegen haben sich vom Major-Label befreit und ziehen seit kurzem ihr eigenes Ding durch: mit ihrem Independent-Label „Blut Schweiß & Tränen“. Unterstützung erhalten sie dabei von den traditionsreichen Berliner Meisel Musikverlagen, die Haudegen auf allen kreativen und administrativen Ebenen unterstützen. Mit den legendären Hansa Studios garantieren die Meisel Verlage Haudegen neue Produktionen auf renommiertem Boden.
Major-Label war gestern. „Wir haben in den vergangenen Jahren nie an irgendeine Strategie gedacht, nur daran, Spaß zu haben und Musik zu machen“. Haudegen sind weit davon entfernt zu sagen, dass sie Teil der Musikindustrie sind.

„In der Zeit von Marketingstrategien, Plattenbossgelaber und Werbefirmen, die sich den Kopf zermartern, wie sie ein Produkt platzieren, kommen zwei Klatschbacken wie wir um die Ecke und sagen: Wir sind wie wir sind“. Damit haben sie Erfolg. Haudegen passen in keine Schublade. Und Hagen und Sven haben eh viel zu breite Schultern, um in irgendeine Schublade hineinzupassen, die müsste erst noch gebaut werden. „Du kannst es ja versuchen, uns in irgendeine Richtung zu schieben. Funktioniert schon deshalb nicht, weil wir zusammen ein paar Zentner auf die Waage bringen “, sagen Hagen und Sven, sie lachen.

Die beiden kennen sich seit über 30 Jahren, das merkt man. Aufgewachsen sind die Sandkastenbuddys zu DDR- und Wendezeiten in Ostberlin. Hagen kommt aus Marzahn, Sven aus Hellersdorf. „Wir haben uns 1983 auf dem damals größten Abenteuerspielplatz der Welt
kennengelernt“, sagt Hagen und meint die Baustellen der Hochhaussiedlungen, die am Anfang der Achtziger in Marzahn-Hellersdorf entstanden.

Hagen Stoll und Sven Gillert sind zwei aufrichtige Typen, die mit ihrer Musik etwas Großartiges auf die Beine gestellt haben. Sie sind stolz auf ihren Erfolg, wissen aber auch, dass der nicht von irgendwo kommt: „Unser größter Vorteil gegenüber allen anderen ist, dass wir Freunde sind und das schon immer waren. Da ist nichts inszeniert, nichts geschönt. Wir waren auch beste Freunde, bevor wir angefangen haben, gemeinsam Musik zu machen.“
Die Haudegen-Fans spüren das bei jedem Auftritt. Hagen und Sven nennen sie die Haudegen-Familie: „Et jibt die Haudegen, die Haudeginnen – dit sind die Frauen – und die Kleenen, dit sind die Haudiggis, weeßte?“, erklärt Hagen in feinstem Ostberliner Slang. „Die Leute da draußen verstehen unsere Musik einfach genau so, wie sie gemeint ist. Wir packen in die Lieder alles, was wir in unserer freundschaftlichen Beziehung jahrelang gelebt haben“, betont Sven, für den Hagen der Bruder ist, den er nie hatte. Ihre gemeinsame Vergangenheit ist die Inspirationsquelle ihrer Musik. Sie singen von Herz und Schmerz, von Leid und Freude.

Hagen und Sven, zwei Ex-Türsteher aus Marzahn, kurzhaarig, muskelbepackt und tätowiert, machen deutsche Gitarrenmusik. Schon oft hat man versucht, sie in die rechte Ecke zu stellen, das Klischee und die Schablone haben geschrien: „Nazis!“ Doch das ist zu einfach. Die Wahrheit sieht so aus: Haudegen spielten bereits auf Anti-Pegida-Konzerten, beim „Festival für Demokratie und Toleranz“ in Jamel, besangen ihre ausländischen Freunde „Igor & Nassim“ und nahmen mit Reinhard Mey das Lied „Tintenfass und Feder“ auf.

Mit Reinhard Mey einen Song aufzunehmen, das war so etwas wie der Ritterschlag für Haudegen. Denn sie bezeichnen sich selbst als Liedermacher. Sie setzen sich hin, kratzen sich am Kopf und schreiben Songs: „Das ist die Kunst des Autors. Copy Paste kann jeder. Wir fragen uns: Wo ist der Reinhard Mey von heute? Als ehrlicher Musikliebhaber kommt man an den Punkt, wo alle Künstler nur noch marketingtechnisch perfekt sind, schöne Menschen, Interpreten. Wenn es nur noch das gibt, dann wollen wir der Reinhard Mey von heute sein“, sagt Sven und Hagen stimmt ein: „Wir tun das aber nicht, um allen zu zeigen, wie cool wir sind, sondern weil wir fucking unsterblich sein
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