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Erfurt Liste der IPA-Zeichen] ist die Landeshauptstadt (Deutschland) des Freistaat (Republik) Thüringen. Es ist zugleich die größte Stadt Thüringens und neben Jena und Gera eines der drei Oberzentrum des Landes. Wichtigste Institutionen neben den Landesbehörden sind das Bundesarbeitsgericht, die Universität Erfurt und Fachhochschule Erfurt sowie das katholische Bistum Erfurt, dessen Kathedrale der Erfurter Dom ist, der wiederum neben der Krämerbrücke eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt darstellt. Darüber hinaus besitzt die Stadt einen knapp drei Quadratkilometer großen mittelalterlich geprägten Altstadtkern mit etwa 25 Pfarrkirche und zahlreichen Fachwerkhaus- und Bürgerhaus. Erfurt wurde 742 im Zusammenhang mit der Errichtung des Bistums Erfurt durch Bonifatius erstmals urkundlich erwähnt – schon damals als Großsiedlung. Bereits kurz danach entwickelte es sich zum Zentrum des Thüringer Raumes, wenngleich es lange Zeitabschnitte politisch nicht Teil des Landes war. Im Mittelalter hatte die Stadt ein hohes Maß an Autonomie. Das änderte sich mit der gewaltsamen Unterwerfung durch die Mainzer 1664. 1802 wurde Erfurt Teil Preußens (mit Ausnahme der Zeit von 1806 bis 1814, als es als Fürstentum Erfurt direkt unter französischer Herrschaft stand) und blieb es bis 1945. Die Universität wurde 1392 eröffnet, 1816 geschlossen und 1994 neugegründet. Damit ist sie die dritte Universität, die in Deutschland eröffnet wurde, kann dank eines Gründungsprivilegs von 1379 aber auch als älteste gelten. Martin Luther war ihr bekanntester Student. Die Wirtschaft der Stadt ist von Verwaltung und Dienstleistung geprägt. Außerdem ist Erfurt Standort verschiedener Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau sowie in der Mikroelektronik. Ferner hat sich auf Grund der niedrigen Lohnkosten und der zentralen Lage in Deutschland eine bedeutende Logistik-Branche etabliert. Erfurt ist nach Leipzig die Stadt mit der zweitgrößten Messe Erfurt in den ostdeutschen Ländern. Des Weiteren ist Erfurt mit dem Erfurt Hauptbahnhof wichtiger Verkehrsknotenpunkt im Zentrum Deutschlands. Bekannt ist Erfurt auch für seinen Gartenbau (Erfurter Gartenbauausstellung, N.L. Chrestensen) und als Medienzentrum (Sitz des Kindersenders KiKA und mehrerer Radiostationen sowie Tageszeitungen). Die Stadt liegt im südlichen Thüringer Becken am Fluss Gera (Fluss).

Geographie

Erfurt liegt am Südrand des Thüringer Beckens, im weiten Tal der Gera (Fluss), eines Zuflusses der Unstrut. Im Süden wird das Stadtgebiet von den bewaldeten Höhen des Steigerwald (Erfurt) umgrenzt. Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt von Nord nach Süd 21 km und von Ost nach West 22,4 km. Durch die Lage der Stadt im Übergang vom Thüringer Becken zum Vorland des Thüringer Waldes schwankt die Höhenlage im Stadtgebiet zwischen 158 m über NN im Norden und 430 m über NN im Südosten. Das Stadtgebiet wird zu verschiedenen Flüssen hin entwässert: die Nesse (Hörsel) entwässert die westlichen Ortsteile zur Weser hin, während Gera (Fluss) und Gramme die Mitte und den Osten der Stadt zur Elbe hin entwässern. Nachbarstädte sind Weimar im Osten, Gotha im Westen, Arnstadt im Süden und Sömmerda im Norden, jeweils etwa 20 Kilometer von Erfurt entfernt. Die nächsten Großstädte sind Leipzig (95 Kilometer nordöstlich), Halle (Saale) (85 Kilometer nordöstlich), Jena (40 Kilometer östlich), Kassel (110 Kilometer nordwestlich), Göttingen (95 Kilometer nordwestlich), Frankfurt am Main (180 Kilometer südwestlich) und Nürnberg (160 Kilometer südlich, Entfernungen in Luftlinie). Da Erfurt nur etwa 50 Kilometer südöstlich des Mittelpunkt Deutschlands liegt, ist es die zentrale Großstadt des Landes. Die Stadt besitzt wie die meisten ostdeutschen Großstädte keinen besonders ausgeprägten Vorortgürtel und liegt auch nicht in einem Ballungsraum. Allerdings sind die Verflechtungen zu den großen Nachbarstädten Weimar und Jena in vielen Bereichen eng, was auch in verschiedenen Regionalkooperationen Ausdruck findet. Ein Begriff für Städte wie Erfurt, die kein Zentrum einer Metropolregion sind, aber auch mehr Funktionen als ein normales Oberzentrum haben, ist der der Regiopole. Die relativ dichte Bebauung der Innenstadt kann darauf zurückgeführt werden, dass in Erfurt im Zweiter Weltkrieg vergleichsweise wenige Gebäude zerstört wurden und diese Baulücken – im Gegensatz zu vielen anderen Großstädten – meist wieder bebaut wurden. Die Naherholungsgebiete befinden sich daher in Erfurt fast ausschließlich am Stadtrand, wie z. B. der Steigerwald, der Nordstrand (Erfurt) oder der Erfurter Gartenbauausstellung. Neben dem Steigerwald gibt es zwei weitere Wälder im Stadtgebiet, den Willroder Forst im Südosten bei Windischholzhausen und die Wälder im Schaderoder Grund oberhalb von Tiefthal im Nordwesten. Die übrige unbebaute Fläche dient vor allem der Landwirtschaft, da auf den fruchtbaren Böden ertragreicher Ackerbau betrieben werden kann. Die einzigen größeren Wasserflächen sind die Erfurter Seen, eine Reihe gefluteter Kiesgruben bei Stotternheim im Norden der Stadt.

Ausdehnung des Stadtgebietes

Bis zur Aufhebung der Festung Erfurt durch die preußische Regierung im Jahr 1873 befand sich das bebaute Stadtgebiet innerhalb der Erfurter Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert. Die Stadtbefestigung umschloss Erfurt kreisförmig und besaß zahlreiche Tore, die den sich später außerhalb entwickelnden Erfurter Vorstädte ihre Namen gaben. Zur Befestigungsanlage Erfurts gehörten außerdem noch die Zitadelle Petersberg und die Zitadelle Cyriaksburg sowie zwei Stadtgräben (die heute zugeschüttete Wilde Gera (Erfurt) vor der inneren Mauer und der Flutgraben (Erfurt) vor der äußeren Mauer). Der Mittelpunkt dieses „alten Erfurts“ war der Fischmarkt (Erfurt). Zwischen 1873 und 1918 bildete sich um die Altstadt ein lückenloser Gürtel aus Gründerzeitvierteln, wobei die bürgerlichen Viertel die Löbervorstadt- und die Brühlervorstadt im Südwesten und die Arbeiterviertel die Krämpfervorstadt- und die Johannesvorstadt im Nordosten waren. Daberstedt und die Andreasvorstadt waren teils bürgerlich, teils von Arbeitern geprägt. Dieser Ring aus Altbauten im preußischen Stil ist noch heute vollständig erhalten, was in Deutschland relativ selten vorkommt. Außerdem wuchs im Norden der Stadt der größte Vorort: Ilversgehofen mit über 12.000 Einwohnern (1910), der 1911 eingemeindet wurde. In der Zeit bis 1945 entstanden im Norden und Südosten weitere Wohnviertel, so dass aus der runden Stadt eine „langgezogene“ wurde. Zu DDR-Zeiten wuchs die Stadt zunächst nach Norden, wo ab 1969 das Wohngebiet Erfurt-Nord, bestehend aus dem Rieth, dem Berliner Platz, dem Moskauer Platz (Erfurt) und dem Erfurt-Roter Berg errichtet wurde. Ab 1979 entstand Erfurt-Südost, bestehend aus dem Herrenberg (Erfurt), dem Wiesenhügel und Melchendorf mit den Plattenbaugebieten Drosselberg und Buchenberg. Nach der Wende entstanden auf dem Ringelberg und in den umliegenden Dörfern, die 1950 und 1994 eingemeindet worden waren, neue Siedlungen aus Einfamilien- und Reihenhäusern. In den Plattenbaugebieten wurde ab 1990 ein Abwanderungstrend in die Innenstadt, umliegende Dörfer oder die alten Bundesländer spürbar, so dass in diesen Stadtteilen bereits mehrere Plattenbauten abgerissen wurden. An diesen Stellen entstanden neue Grünflächen.

Nachbargemeinden

Folgende Gemeinde (Deutschland) grenzen an die Stadt Erfurt. Im Uhrzeigersinn, beginnend im Osten, sind das: * im Landkreis Weimarer Land: Niederzimmern, Nohra (bei Weimar) und Mönchenholzhausen (alle Verwaltungsgemeinschaft Grammetal) sowie Klettbach (Verwaltungsgemeinschaft Kranichfeld) * im Ilm-Kreis: Kirchheim (Thüringen) und Rockhausen (beide Verwaltungsgemeinschaft Riechheimer Berg) sowie Amt Wachsenburg * im Landkreis Gotha: Nesse-Apfelstädt sowie Nottleben, Zimmernsupra und Bienstädt (Verwaltungsgemeinschaft Nesseaue) * im Landkreis Sömmerda: Witterda (erfüllende Gemeinde ist Elxleben), Elxleben (Landkreis Sömmerda), Walschleben (Verwaltungsgemeinschaft Gera-Aue), Riethnordhausen (bei Erfurt) (Verwaltungsgemeinschaft Straußfurt) sowie Nöda, Alperstedt, Großrudestedt, Udestedt, Kleinmölsen und Großmölsen (alle Verwaltungsgemeinschaft Gramme-Aue)

Stadtgliederung und Bevölkerungsverteilung

Das Stadtgebiet Erfurts gliedert sich in 53 Stadtteile. 44 davon bilden zugleich einen Ortsteil im Sinne des § 45 der Thüringer Kommunalordnung. Die Ortsteile wurden durch die Hauptsatzung der Stadt Erfurt eingerichtet. Dabei handelt es sich überwiegend um räumlich getrennte Dörfer, die ehemals selbständige Gemeinden waren. Für 38 Ortsteile gibt es jeweils einen vom Volk anlässlich einer Bürgerversammlung gewählten Ortsteilrat, der abhängig von der Einwohnerzahl zwischen vier und zehn Mitglieder hat. Jeweils drei Ortsteile bilden mit benachbarten Ortsteilen einen gemeinsamen Ortsteilrat. Vorsitzender dieses Gremiums ist der ebenfalls vom Volk gewählte Ortsteilbürgermeister. Die Ortsteilräte sind zu allen den Ortsteil betreffenden Angelegenheiten zu hören und können in eigener Zuständigkeit über Angelegenheiten entscheiden, deren Bedeutung nicht wesentlich über den Ortsteil hinausgeht. Die Erfurter Bevölkerung verteilt sich grob gesehen auf drei Siedlungstypen: (alt)städtische Stadtteile, Plattenbaugebiete und Dörfer (alle eingemeindeten Ortschaften mit Ausnahme Melchendorfs und Ilversgehofens). 2010 lebten in städtischen Teilen 51,9 % der Einwohner, in Plattenbaugebieten 26,5 % und in den Dörfern 21,4 % der Bevölkerung. 1990 lebten nur 48 % der Einwohner in städtischen Teilen, 40 % in Plattenbaugebieten und nur 12 % in Dörfern (die Eingemeindungen von 1994 sind hier bereits berücksichtigt). In den meisten städtischen Stadtteilen sind allerdings zwei völlig unterschiedliche Siedlungstypen vereint: An die Altstadt angrenzend dicht bebaute Viertel aus Mietshäusern (entstanden zwischen 1873 und 1940; die Bevölkerungsdichte dieser Gebiete liegt bei rund 15.000 Einwohnern je Quadratkilometer) sowie Altneubauten (etwa 1950 bis 1970), auf der anderen Seite etwas weiter stadtauswärts aber auch Einfamilienhaussiedlungen (entstanden ab etwa 1920) mit geringer Bevölkerungsdichte. Insgesamt ist Erfurt aber im Vergleich zu anderen deutschen Städten gleicher Größe sehr kompakt aufgebaut. So konzentriert sich die Mehrheit der Bevölkerung in der Altstadt und dem unmittelbar angrenzenden Gründerzeitgürtel aus Mietshäusern. Diese Konzentration hin zur Stadtmitte nahm seit 2000 deutlich zu. Zum einen ebbte die durch die Wiedervereinigung ausgelöste Suburbanisierungswelle ab, zum anderen schritten die innerstädtischen Sanierungsmaßnahmen voran und zum dritten schrumpfen die peripheren Plattenbaugebiete kontinuierlich. Auf der anderen Seite ist das zur Stadt Erfurt gehörige Gebiet sehr groß, weshalb die Bevölkerungsdichte bezogen auf die gesamte Stadtfläche nach Wolfsburg die zweitgeringste unter den deutschen Großstädten ist. Der weitläufige ländliche Einzugsbereich Erfurts hat eine gewisse Tradition, so baute der städtische Rat bereits im Mittelalter einen umfangreichen kommunalen Landbesitz auf, sodass die meisten heutigen Ortsteile schon die längste Zeit ihrer Geschichte (mit Unterbrechung im 19. und 20. Jahrhundert) dem Erfurter Rat unterstanden. In Erfurt gibt es acht Wohnungsbaugenossenschaften, die einen vergleichsweise hohen Anteil des Wohnungsbestands besitzen. Demgegenüber ist der Anteil von Einfamilienwohnhaus niedrig. Im eigentlichen Stadtgebiet ohne die eingemeindeten Dörfer befanden sich 2009 von 91.011 Wohnungen nur 5.784 (etwa 6,4 %) in Einfamilienhäusern, (PDF-Datei; 658 kB) während es im Bundesdurchschnitt etwa 28,3 % waren. Der Anteil ausländischer Bevölkerung lag 2012 bei 3,8 % mit Osteuropa/Gemeinschaft unabhängiger Staaten-Staaten und Vietnamesen in Deutschland als Hauptherkunftsregionen. Viertel mit hervortretender ethnischer Infrastruktur (z. B. migrantischer Einzelhandel, Dienstleistungen) befinden sich beispielsweise um die Schmidtstedter und Trommsdorffstraße im Südosten der Altstadt sowie in Ansätzen entlang der Magdeburger Allee in Ilversgehofen.

Klima

Das Klima Erfurts wird geprägt durch seine Lage am Südrand des Thüringer Beckens und der dieses umgebenden Mittelgebirge Harz (Mittelgebirge) und Thüringer Wald. Durch die Luv und Lee dieser teilweise über 1000 Meter hohen Gebirge ergibt sich ein für Mitteleuropa recht trockenes Klima. Während die relativ flachen Gebiete des Stadtzentrums und der nördlichen Teile der Stadt ein recht gleichmäßiges Klima haben, ergeben sich auf Grund der Höhenzüge Fahner Höhe und Steigerwald (Erfurt), die den Stadtkern um etwa 150 Meter überragen, in den südlichen Ortsteilen wie Bischleben oder Molsdorf lokale klimatische Besonderheiten. Die Jahresdurchschnittstemperatur betrug in den Jahren 1961 bis 1990 in Erfurt 7,9 °C, wobei im Januar die mittlere Tageshöchsttemperatur bei +2 °C und die mittlere Tiefsttemperatur bei –2 °C liegt. Im Juli beträgt die mittlere Höchsttemperatur 24 °C und die mittlere Tiefsttemperatur 14 °C. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge betrug im genannten Zeitraum 500 mm, womit Erfurt gemeinsam mit Halle und Magdeburg zu den trockensten Großstädten Deutschlands gehört. Die Niederschlagssumme fällt in das untere Zwanzigstel der in Deutschland erfassten Niederschlagsdiagramm (Deutschland). An nur einem Prozent der Messstationen des Deutscher Wetterdienst werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Januar, die meisten Niederschläge fallen im Juni. Im Juni fallen 2,7 mal mehr Niederschläge als im Januar, womit die Niederschläge stark variieren. An 68 % der Messstationen werden niedrigere jahreszeitliche Schwankungen registriert. Die Zahl der jährlichen Sonnenstunden beträgt etwa 1600 und liegt, bedingt durch die Wärmeentwicklung der Stadt, etwa 50 Stunden über den Werten der unmittelbaren Umgebung. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit ist im Winter etwa 6 m/s, im Sommer geht sie auf 4 m/s zurück. Die Hauptwindrichtung ist Südwest. Die Werte stammen von der Erfurter Wetterstation im Ortsteil Bindersleben auf einer Höhe von , sie soll repräsentativ für den Naturraum Thüringer Becken sein. Da das Erfurter Stadtzentrum nur auf einer Höhe von 200 Metern liegt, kann davon ausgegangen werden, dass die Temperaturwerte dort, auch durch den Erwärmungseffekt der Stadt selbst, durchschnittlich um etwa ein Kelvin höher liegen.

Geschichte

Frühgeschichte

Spuren erster Besiedlung im jetzigen Stadtgebiet finden sich bereits aus vorgeschichtlicher Zeit. So zeugen archäologische Funde im Norden Erfurts von menschlichen Spuren aus der Altsteinzeit um 100000 v. Chr. Weitere Funde in der Grube von Erfurt-Melchendorf belegen eine Besiedelung im Neolithikum. Westlich von Erfurt existierte in den Jahrhunderten n. Chr. eine große Germanen Siedlung, die im Jahr 2000 beim Bau der Bundesautobahn 71 angeschnitten und 2001 bis 2003 etwa zur Hälfte ausgegraben wurde (Erfurt-Frienstedt). Zwar ist durch Überlieferungen nach den germanischen Hermunduren, Angeln (Volk) und Warnen der Sammelverband der Thüringer (Thuringi) 480 im Erfurter Gebiet belegt, doch konnten zwischen dem 4. und dem 10. Jahrhundert bisher keine archäologischen Funde nachgewiesen werden.Dies konstatierte 2014 Karin Sczech, die Referentin des Landesamtes für Archäologie (, in: Thüringische Landeszeitung, 29. März 2014). Aus römischer Zeit fanden sich hingegen knapp 200 Münzen, die bis in das 3. Jahrhundert reichen, dazu 150 römische Keramikfragmente und mehr als 200 Fibeln. Hinzu kommen elf Körpergräber der Haßleben-Leuna-Gruppe.Christoph G. Schmidt: Der mitteldeutsche Fundplatz Frienstedt: Vorbild Feind? Germanische Elite unter römischem Einfluss, Diss., 2015 (unveröff.). In der genannten germanischen Mitteldeutscher Fundplatz Frienstedt bei Erfurt wurde auf einem Kamm von Frienstedt aus einem Opferschacht das älteste in Mitteldeutschland entdeckte, in Runenschrift geschriebene germanische Wort gefunden: „Kaba“ (Kamm).Sensationsfund in Erfurt bei Ausgrabungen. Thüringische Landeszeitung. 13. April 2012Grit König: Vier Buchstaben haben die Forscher elektrisiert. Älteste mitteldeutsche Runen auf einem Kamm aus Hirschgeweih entdeckt. Thüringische Landeszeitung. 28. April 2012

Mittelalter

Die erste urkundliche Erwähnung von Erfurt findet sich aus dem Jahre 742, durch Erzbischof Bonifatius. Er schreibt an Papst Zacharias II., Erfurt sei eine alte Stadt heidnischer Bauern in der er einen Bischof einsetzen will. Dadurch wurde das Bistum Erfurt gegründet. Das Bistum wurde 755, als Bonifatius selbst das Erzbistum Mainz übernahm, mit dem von Bistum Mainz vereinigt. Die Gründe dafür sind unklar, möglicherweise spielte dabei die Grenznähe zu den Sachsen und Slawen eine Rolle. Spätestens mit der Bistumsgründung muss auch eine Bischofskirche vorhanden gewesen sein und man kann annehmen, dass diese eine Vorläuferkirche des heutigen Domes auf dem Domberg war. Im Jahr 805 erklärte Karl der Große Erfurt zu einem der Grenzhandelsplätze, unweit der Grenze des damaligen Fränkisches Reich. Erfurt hatte unter den Karolingern und Ottonen eine Königspfalz, die auf dem heutigen Petersberg als sicher angenommen wird. Im 10. Jahrhundert kam Erfurt unter die weltliche Herrschaft der Mainzer Erzbischöfe, die bis zum Reichsdeputationshauptschluss im Jahr 1803 andauerte. In Erfurt haben sich herausragende Zeugnisse jüdischer Kultur des hohen und späten Mittelalters erhalten. Dazu zählen die Alte Synagoge (Erfurt), deren Bau 1094 begann, womit sie die älteste erhaltene Synagoge Europas darstellt. Auch die benachbarte, aus dem 13. Jahrhundert stammende Mikwe (Erfurt) zählt zu den ältesten in Europa. 1998 wurde bei Ausgrabungen in der Michaelisstraße (Erfurt) ein Jüdischer Schatz von Erfurt gefunden, dessen Inhalt zu den bedeutendsten Zeugnissen jüdisch-mittelalterlicher Kultur in Europa zählt. Mit einem Judenverfolgungen zur Zeit des Schwarzen Todes im Jahr 1349 nahm die erste jüdische Gemeinde ein jähes Ende. Ab 1354 entstand eine zweite jüdische Gemeinde, bis der Erfurter Rat 1453/54 den Juden den Schutz entzog und sie zur Abwanderung zwang. Erst im 19. Jahrhundert siedelten sich wieder Juden in der Stadt an. Mit etwa 18.000 bis 20.000 Einwohnern entwickelte sich die Stadt im 14. und 15. Jahrhundert zu einer mittelalterlichen Großstadt, die an Größe nur von Köln, Nürnberg und Magdeburg übertroffen wurde. Erfurt erreichte damit den Gipfel seiner wirtschaftlichen, politischen und geistig-kulturellen Entwicklung im Mittelalter und wurde der Mittelpunkt des Handels im mittleren Heiligen Römischen Reich. Dazu gehörte auch die bereits im 13. Jahrhundert einsetzende Entwicklung Erfurts zu einem der größten Färberwaid des Reiches. 1331 erhielt Erfurt das Messeprivileg von Kaiser Ludwig IV. (HRR) Bereits im 13. Jahrhundert war die Stadt zu einem Bildungszentrum von weit ausstrahlender Bedeutung herangewachsen. Keine andere Stadt in Deutschland hatte in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts mehr Studenten. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts entwickelte sich das Erfurter studium generale zur bedeutendsten Bildungsanstalt im Heiliges Römisches Reich. 1392 öffnete die Stadt – und nicht der Erzbischof – die dritte Universität Erfurt auf deutschem Boden, die mit ihrem Gründungsprivileg von 1379 auch als älteste gelten kann.

Frühe Neuzeit

Einer der bekanntesten Absolventen der Universität Erfurt war Martin Luther, der hier von 1501 bis 1505 studierte und seinen Magister der Philosophie Fakultät (Hochschule) erhielt. In der Reformationszeit wandte sich die Stadt mehrheitlich dem evangelischen Bekenntnis zu. Der Rat zu Erfurt unterzeichnete die lutherische Konkordienformel von 1577.Vgl. BSLK, S. 766; vgl. S. 17 Am 21. April 1618 kam es zu einem Vertrag zwischen dem Mainzer Erzbischof Johann Schweikhard von Kronberg und der Stadt Erfurt, der die schon früher zugestandene Religionsfreiheit bestätigte und sie ausdrücklich auf das Erfurter Landgebiet erweiterte. Zur rechtlichen Stellung der Stadt wurde festgelegt, dass sie Eigentum des Erzstift Mainz sei und auf jegliche Reichsstandschaft verzichte. Der Dreißigjähriger Krieg schädigte die Stadt schwer. Erfurt wurde von 1632 bis 1635 und von 1637 bis 1650 von den Schweden besetzt. Der Westfälischer Friede brachte der Stadt nicht die erhoffte Reichsfreiheit. Dadurch wurden wieder jahrelange Auseinandersetzungen ausgelöst. 1664 eroberten französische und Reichsexekutionstruppen des Mainzer Kurfürsten und Erzbischof Johann Philipp von Schönborn die Stadt. Damit begann die kurmainzische Herrschaft. Erfurt wurde nun als Hauptstadt des Erfurter Staats zusammen mit dem Eichsfeld von einem Statthalter Erfurts regiert, der seinen Sitz in der Kurmainzische Statthalterei (heutige Staatskanzlei) hatte. Um weiteren Aufständen vorzubeugen und als Schutz gegen die protestantischen Mächte ließ der kurmainzische Kurfürst und Erzbischof, Johann Philipp von Schönborn, auf dem Gelände des Petersberges eine Zitadelle Petersberg errichten. 1682 und 1683 erlebte Erfurt die schlimmsten Pestjahre seiner Geschichte, allein 1683 erlag über die Hälfte der Bevölkerung der tödlichen Krankheit.

19. Jahrhundert

Gemäß dem Reichsdeputationshauptschluss kamen Stadt- und Landgebiet Erfurt 1802 als Entschädigung für verlorengegangene linksrheinische Gebiete zu Königreich Preußen. Nach dem Sieg Napoleon Bonaparte über Preußen in der Schlacht bei Jena und Auerstedt besetzten französische Truppen am 16. Oktober 1806 die Festung kampflos nach ihrer Kapitulation. Napoleon erklärte 1807 Erfurt zusammen mit Blankenhain als Fürstentum Erfurt zu einer kaiserlichen Domäne, die nicht Teil des Rheinbunds war, sondern ihm direkt unterstand. Im Jahr 1814 endete nach erfolgreicher Belagerung von Erfurt (1813) durch preußische, österreichische und russische Truppen die französische Besetzung, und 1815 wurde Erfurt aufgrund des Wiener Kongresses wieder Preußen zugesprochen, das den größten Teil des Landgebietes und das Blankenhainer Gebiet an Sachsen-Weimar-Eisenach abtrat. Mit der Ansiedlung wichtiger Maschinenbaubetriebe wurde Erfurt im ausgehenden 19. Jahrhundert ein bedeutender Industriestandort. Besondere Bedeutung besitzen auch heute noch der Gartenbau und die Saatzucht. Diesem Umstand verdanken eingeborene Erfurter den Spitznamen „Puffbohne“. Eine wichtige Rolle spielt hier seit 1867 die Firma „N.L. Chrestensen“. Um 1900 besaß der Erwerbsgartenbau der „Blumenstadt“ Erfurt eine weltweite Führungsstellung.

20. Jahrhundert

1906 wurde Erfurt mit 100.000 Einwohnern Großstadt. Der Erster Weltkrieg kostete 3579 Bürger das Leben. Als 1920 das Land Thüringen (1920–1952) mit der Landeshauptstadt Weimar gebildet wurde, wurden die preußischen Gebiete Thüringens einschließlich Erfurts aufgrund des Widerstands der preußischen Regierung nicht miteinbezogen. Nach positiver Entwicklung von 1923 bis 1928 wurde die Stadt ab 1929 massiv von der Weltwirtschaftskrise erfasst. 1933 übernahm die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei die Kontrolle über die Stadt. 1938 zählte Erfurt zu den größten Garnisonen des Deutschen Reiches. In der „Reichspogromnacht“ wurde die Große Synagoge (Erfurt) niedergebrannt und die Verschleppung der etwa 800 jüdischen Bewohner begann. Zwischen 1939 und 1945 mussten zwischen 10.000 und 15.000 Kriegsgefangene sowie Frauen und Männer aus zahlreichen von Deutschland besetzten Ländern vor allem in Rüstungsbetrieben der Stadt Zwangsarbeit leisten. → Hauptartikel: Luftangriffe auf Erfurt Im Zweiter Weltkrieg erlebte Erfurt 27 britische und amerikanische Luftangriffe, nicht mit gerechnet die zahlreichen Angriffe von Jagdbombern im April 1945. 1100 Tonnen Bombenlast wurden abgeworfen. Ungefähr 1600 Zivilisten, darunter viele Frauen und Kinder, verloren ihr Leben. 530 Gebäude wurden total zerstört, 2550 schwer oder mittelschwer beschädigt. 17 % der Wohnungen wurden völlig vernichtet, viele weitere schwer beschädigt. Besonders die historische Altstadt (Erfurt) von Erfurt war betroffen. 23.000 Menschen verloren ihr Obdach. 100 Industriegebäude wurden zerstört oder schwer beschädigt. Wertvolle Profan- und Sakralbauten gingen verloren, so das Collegium Maius (Erfurt) der alten Universität und die Bibliothek des Augustinerkloster (Erfurt). Alle Kirchen der Innenstadt wurden durch Bomben und Artilleriebeschuss mehr oder weniger schwer getroffen. Die Ruine der am 26. November 1944 durch eine Luftmine zerstörten Barfüßerkirche (Erfurt) steht noch heute als Mahnmal. Für den 3. und 4. April 1945 hatte die Royal Air Force ein Flächenbombardement für Erfurt unter Einsatz von 2.740 Tonnen Bombenlast vorgesehen. Der Angriff wurde wegen des raschen Vormarsches der US-Bodentruppen abgesagt.Helmut Wolf: Erfurt im Luftkrieg 1939–1945. Glaux-Verlag, Jena 2005. ISBN 3-931743-89-6. S. 249 ffSchicksale deutscher Baudenkmale im Zweiten Weltkrieg. Hrsg. Götz Eckardt. Henschel-Verlag, Berlin 1978. Band 2. Bezirk Erfurt, Rudolf Zießler. S. 474–486 Am 12. April 1945 besetzten Einheiten der 3. US-Armee unter Befehl von General George S. Patton Erfurt, nach Kämpfen in der Stadt und ihrer Umgebung. Am 1. Juli stellte die preußische Bezirksregierung ihre Tätigkeit ein. Die Stadt wurde mit dem Regierungsbezirk Erfurt dem Land Thüringen zugeordnet. Am 3. Juli übernahmen aufgrund des 1. Londoner Zonenprotokolls von 1944 und der Beschlüsse der Konferenz von Jalta Einheiten der Rote Armee die Stadt, Erfurt wurde Bestandteil der Sowjetische Besatzungszone. 1945 begann Erfurt, sich langsam von den Folgen des Krieges zu erholen. 30.000 Kubikmeter Schutt wurden aus den Straßen geräumt, die Straßenbahn und die Gasversorgung wieder in Betrieb gesetzt und die Schulen wiedereröffnet. 1948 wurde Erfurt vom Thüringer Landtag zur thüringischen Landeshauptstadt ernannt, bevor im Jahr 1952 das Land Thüringen aufgelöst und in drei Bezirke eingeteilt wurde, wobei Erfurt Sitz des Bezirk Erfurt wurde. Ende der 1960er-Jahre begann der großflächige Abriss des Krämpferviertels am östlichen Rand der Altstadt. Durch den Neubau von 11- bis 16-geschossigen sowie bis zu 120 Meter langen Plattenbauten wurde das bis dahin – trotz Kriegszerstörungen – relativ intakte und durch Kirchtürme geprägte Stadtbild dauerhaft beeinträchtigt. Zusätzlich entstanden bis Ende der 1970er-Jahre am Stadtrand neue Wohngebiete mit zusammen über 17.000 Wohnungen. Der Abriss des Andreasviertels konnte durch Bürgerproteste und die Wende 1989 verhindert werden. 1970 kam der Bundeskanzler der BRD Willy Brandt zum ersten deutsch-deutschen Erfurter Gipfeltreffen mit dem Vorsitzenden des Ministerrates und stellvertretenden DDR-Staatsratsvorsitzenden Willi Stoph nach Erfurt. Er zeigte sich unter anderem am Fenster des Hotels Erfurter Hof, das gegenüber dem Erfurt Hauptbahnhof liegt. Die Menge begrüßte ihn begeistert mit „Willy, Willy“- und „Willy Brandt ans Fenster!“-Rufen. 1989 kam es auch in Erfurt zu immer größeren Demonstrationen, die schließlich auch hier den politischen Umbruch einleiteten. 1991 stimmten 49 von 88 Abgeordneten des Landtags für Erfurt als Thüringer Landeshauptstadt. Im Jahr 1994 wurde die Erfurter Universität neu gegründet; ebenfalls in diesem Jahr wurde das Bischöfliche Amt Erfurt-Meiningen, das seit 1973 bestand, zum Bistum Erfurt erhoben.

21. Jahrhundert

Das Bild der Stadt hat sich in den Jahren seit der Wende deutlich verändert. Viele Gebäude der historischen Altstadt wurden saniert, an manchen Stellen entstanden Neubauten. Die Neugestaltung des Fischmarktes wurde mit dem Sonderpreis des Deutscher Städtebaupreis 2014 ausgezeichnet. Am 26. April 2002 geriet Erfurt durch den sogenannten Amoklauf in Erfurt weltweit in die Medien. Der Amoklauf im Gutenberg-Gymnasium (Erfurt) war der erste durch einen Schüler verübte Amoklauf an einer Schule in Deutschland. Dabei kamen elf Lehrer, eine Referendarin, eine Sekretärin, zwei Schüler und ein Polizist ums Leben. Anschließend tötete sich der 19-jährige Amokläufer selbst.

Eingemeindungen

Folgende Gemeinde (Deutschland) und Gemarkungen wurden nach Erfurt eingemeindet: ; Fußnote (1): Das Dorf Daberstedt wurde 1813 von Napoleon Bonaparte Truppen zerstört und nicht wieder aufgebaut. Die Ortsflur wurde daraufhin geteilt, wobei der nördliche Teil zur Stadt Erfurt und der südliche zu Melchendorf kam.

Einwohnerentwicklung

1880 hatte Erfurt mehr als 50.000 Einwohner. 1906 überschritt die Einwohnerzahl der Stadt die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges am 1. Dezember 1945 hatte die Stadt 164.998 Einwohner, 1973 überschritt sie die Grenze von 200.000 Einwohnern. 1989 erreichte die Bevölkerungszahl mit knapp über 220.000 ihren historischen Höchststand. Nach der Wende und friedliche Revolution in der DDR in der DDR verlor die Stadt durch Abwanderung, Suburbanisierung und Geburtenrückgang trotz zahlreicher Eingemeindungen des Jahres 1994 bis 2002 insgesamt rund 20.000 Menschen. Seit 2003 steigt die Einwohnerzahl wieder an, sodass bisher etwa ein Viertel des Nachwende-Rückgangs kompensiert wurde. Damit hat Erfurt unter den vergleichbar großen ostdeutschen Städten (Magdeburg, Halle (Saale), Chemnitz und Rostock) seit 1990 die stabilste demografische Entwicklung genommen. Am 31.12.2015 konnten im Einwohnermelderegister der Landeshauptstadt Erfurt insgesamt 210.271 Personen mit Hauptwohnsitz gezählt werden. Die Zahl der in Erfurt lebenden Ausländer beträgt aktuell 12.793 Personen. Damit verzeichnet die Landeshauptstadt Erfurt einen Ausländeranteil von 6,1 Prozent.


[ Quelle: Wikipedia | Stand: 02.03.2016 ]

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